- Die letzten zehn Tage des Ramadan

Die letzten zehn Tage des Ramadan

Fasten – jedem möglich? 

Trotz aller Frömmigkeit ist es sicher für viele Muslime sehr schwierig, der 30tägigen Fastenpflicht jedes Jahr aufs neue in vollem Umfang nachzukommen. Wer seiner Fastenpflicht nicht als Ganzes nachkommt, versucht meist, wenigstens die letzten zehn Tage zu fasten. Das Ramadanfasten ist ein gutes Werk, das der Mensch für Gott erbringt und das am Gerichtstag gegen seine schlechten Taten aufgewogen werden wird. In der westlichen Welt wird das Fasten oft auch von Muslimen eingehalten, die in ihren Heimatländern nicht fasten, um so auch ein Stück kulturelle Identität zu bewahren. Im Westen wird das Fasten oft zusätzlich durch die Lebensumstände erschwert, wenn vom Arbeits- und Lebensrhythmus her keine Rücksicht auf das Fasten genommen wird oder in einigen Ländern eine sehr lange Tageshelle – und damit eine sehr lange Fastenzeit – besteht. 

Das Fest des Fastenbrechens 

Das Ramadan-Fasten endet mit dem Fest des Fastenbrechens. Das Feiern dieses Festes ist keine religiöse Pflicht; es gilt jedoch als verdienstvoll. Wenn am Ende des Ramadan von den religiösen Autoritäten eines Landes die Neumondsichel gesichtet wird, bezeichnet das das offizielle Ende des Ramadan. Der Tag des Fastenbrechens hat im Volksglauben auch einen Heilsaspekt, denn an diesem Tag vergibt Allah den Gläubigen und schenkt ihnen seinen Segen. Verwandtenbesuche, neue Kleider, Geschenke für die Kinder und besondere Speisen gehören zu diesem Fest. Viele Muslime besuchen auch die Gräber von Verwandten und bringen den Grabwächtern und den Armen, die in vielen Städten bei den Gräbern wohnen, Geschenke mit. In Kairo soll zur Linderung der Qualen der Toten Wasser über die Gräber gegossen, der Koran rezitiert und Fürbitte für die Toten geleistet werden. Wer nach dem dreitägigen Fest des Fastenbrechens nochmals fastet, tut damit ein besonders verdienstvolles Werk. 

Das Bußfasten 

Bußfasten dient als Ersatz für eine versäumte religiöse Pflicht oder kann auch als Strafe für eine bestimmte Sünde befolgt werden, wie z. B. für einen gebrochenen Eid oder für die unbeabsichtigte Tötung eines Menschen. Bußfasten ist wiederum ein Werk, das der Mensch  von sich aus Gott erbringen muß, um Vergebung zu erhalten.

Die Nacht der Macht – laylat al-qadr 

Muslime glauben, daß der Koran in einer der letzten zehn Nächte des Ramadan, in der “Nacht der Macht” herabgesandt wurde (Sure 2,185). Eine Überlieferung besagt, daß eine Nacht des Ramadan besser sei als tausend Monate, denn in ihr öffnen sich die Himmelstore und die Engel steigen herab (Sure 97). 

Wer im Ramadan in Mekka fastet und betet – so eine weitere Überlieferung – der erhält von Gott soviel Sündenvergebung wie durch das Einhalten von 100.000 Monaten Ramadanfasten. 

Welche Nacht genau die “Nacht der Macht” ist, dazu gibt es unterschiedliche Überlieferungen und Anschauungen. Muslimen erscheinen die ungeraden Zahlen wahrscheinlicher, insbesondere die ungeraden Zahlen der letzten zehn Tage des Ramadan. 

Eine Überlieferung von Aischa, Muhammads Lieblingsfrau, berichtet, daß Muhammad die letzten zehn Nächte des Ramadan gewacht und gebetet habe. Deshalb verbringen manche Muslime diese zehn Tage in der Moschee. Andere gehen in diesen zehn Tagen nicht zur Arbeit und die Schulen schließen. Einige Überlieferungen nennen die 21. Nacht des Ramadan als “Nacht der Macht”, andere die 17. oder 27. Nacht. Als am wahrscheinlichsten für den Zeitpunkt der Koranoffenbarung wird jedoch die Nacht vom 26. auf den 27. Ramadan betrachtet. Manche Überlieferungen bezeichnen die zweite Hälfte der Nachtstunden der Ramadannächte als die, die Gott “näher” seien als die ersten. Nach Abu Huraira soll Gott im letzten Drittel der Ramadannächte (vom Himmel?) herabsteigen und dem Sündenvergebung bis zum Sonnenaufgang anbieten, der sie sucht, so dass die Prophetengefährten stets im letzten Drittel der Nacht ihre Gebete verrichtet hätten. 

Die “Nacht der Macht” ist nach muslimischer Auffassung in besonderer Weise von Licht und von Segenskraft erfüllt. Viele Muslime erhoffen, in dieser Nacht ein Licht zu sehen, vergleichbar dem Licht, das damals die Herabsendung des Korans angezeigt haben soll. Die Überlieferung berichtet, dass ein Muslim, der aus Glauben in der Nacht des Ramadan betet und das Wohlgefallen Gottes sucht, mit der Sündenvergebung Gottes rechnen kann. So ist der Ramadan und besonders die “Nacht der Macht” eine Zeit des Verzichts, der Besinnung auf Gott, der Hoffnung auf Sündenvergebung und der Offenheit für eine Begegnung mit Gott. 

Eine jährlich einzuhaltende ungefähr 30tägige Fastenpflicht ist eine harte Bürde, an der vielleicht jeder einmal in seinem Leben scheitern wird. Diese Pflicht einzuhalten ist nicht zuletzt deshalb so wichtig, weil sie mit entscheidet über Heil und Unheil, gleichzeitig dieses Maß an Heilserwerb aber ungewiss bleibt bis zum Tag des Jüngsten Gerichts. 

Möge Gott vielen Muslimen persönlich begegnen, damit sie erkennen, dass “sein Joch sanft und seine Last leicht” ist (Matthäus 11,30) und dass allein Jesus Christus Frieden und Gewissheit in Glauben und Vergebung schenken kann. (ChSch) 

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