- Gedanken über Rut

Gedanken über Rut

„Womit hab ich Gnade gefunden vor deinen Augen, dass du mir freundlich bist, die ich doch eine Fremde bin?“

Wie oft geraten Ausländer bei uns in ein schlechtes Licht. „Kriminalität, Prostitution, Ausnützung der Sozialwerke, mangelnder Integrationswillen“ und andere Schlagworte prägen die Presse und die politische Diskussion. Schnell sind alle in einen Topf geworfen. Sind wir bereit Menschen mit einem anderen Kulturhintergrund oder anderer Hautfarbe als Menschen anzusehen und nicht nur als Fremde oder sogar Feinde? Zollen wir ihren Bemühungen und Leistungen Respekt?

Schauen wir uns einmal die Geschichte von Rut an: Sie ist eine Fremde; ja mehr noch, sie gehört zu einem der ärgsten Feinde des Volkes Israel. Doch ihre Treue und Liebe gegenüber ihrer Schwiegermutter veranlasst sie alles Bekannte aufzugeben. Nun ist Rut in Bethlehem in der Fremde, kennt die Sprache schlecht, hat keine Bezugsperson ausser Noomi. Was mag ihr wohl begegnen? Wie soll sie sich durchs Leben schlagen ohne Arbeit, ohne Freunde? Dazu kommt noch die alte Frau, um die sich kümmern muss. Eine schwere Bürde für einen Neubeginn. Doch Rut gibt nicht auf. Sie kümmert sich um Noomi, sie entwickelt Ideen, wie sie sich versorgen kann. Und sie ist bereit anzupacken.

Boas sieht Ruts Anstrengungen und ihre Fürsorge. Ihm ist egal, dass sie zu einem feindlichen Volk gehört, dass sie eine Fremde ist. Das ist in seinen Augen nicht entscheidend. Da ist eine Frau, die Gutes tut; aber auch eine Frau, die Hilfe brauchen kann, denn ihr Leben ist schwer genug. Und so kümmert er sich um Rut, verköstigt sie, schützt sie, hilft ihr auch ja genug zum Leben zu haben. (Rut 2,5-17)


Es gibt sie auch heute, die Ruts in unserem Land. Da ist die Polin, die sich im Altersheim aufopfernd um die Bewohner kümmert; der Tamile, der trotz fehlenden Fingern mehr leistet als die meisten im Betrieb; die Philippinin, die trotz schwieriger Ehe andere mit ihrem Lächeln und ihrer Freundlichkeit aufbaut.  Wie gehen wir mit diesen Leuten um? Achten wir sie, haben ein freundliches Wort oder eine helfende Hand für sie übrig?


Autor: Markus Burri

Sprachen