- Schweizer Behörde: «Konvertiert zum Islam zurück»

Schweizer Behörde: «Konvertiert zum Islam zurück»

In ihrer Heimat setzten sich Faruq und Horiya Hassu Abdulkader für die Rechte der Kurden ein, speziell für jene der Frauen. Als bei einer Demonstration Verwandte ums Leben kamen, flüchteten sie in die Schweiz, wo sie den christlichen Glauben annahmen. Rund drei Jahre später der Schrecken: die Familie kann nicht bleiben, die Schweiz will sie zurück in den wohl sicheren Tod schicken. «Konvertiert zum Islam zurück», riet ihnen eine Schweizer Behördestelle.


Weil sie sich für die kurdische Minderheit eingesetzt hatten, gerieten Faruq und Horiya unter Druck. Faruk sagt, dass er nicht im Gefängnis sondern von der Polizei gefoltert worden war. Der ganze Druck führte dazu, dass das junge Paar in die Schweiz reiste und um Asyl bat.

 

Auch in der Schweiz politisch aktiv

Auch von der Schweiz aus haben sie sich für eine Veränderung in ihrem Heimatland engagiert. Bei einer kurdischen Veranstaltung in Bülach (ZH) gab Horiya im kurdischen Fernsehen «Roj TV» zwei Interviews. Diese wurden in Syrien verbreitet. Horiya, die studierte Apothekerin und Absolventin einer Kunstschule forderte, dass die Frauen studieren und selber entscheiden dürfen. Sie wehrte sich zudem gegen das Tragen des Kopftuches.

 

Die Familie Horiya, Faruq und Tireej Hassu Abdulkader.

 

Da rief ihr Vater in die Schweiz an und fragte: «Geht’s noch? Weisst du, was du da getan hast?» Der syrische Geheimdienst tauchte zweimal mit einem Haftbefehl in ihrem Haus auf, Faruq und Horiya waren nicht auffindbar, da sie in der Schweiz und nicht mehr in Syrien waren.

 

Wer Christ wird muss mit Tod rechnen

Beide waren während ihrer Zeit im Nahen Osten zwar offiziell noch Muslime, aber sie interessierten sich für den christlichen Glauben, besuchten von Zeit zu Zeit auch christliche Kirchen, Faruk im Libanon, Horiya in Syrien. «Sie wollten damals aber nicht konvertieren, weil sie wussten, was passieren würde», sagt Daniel Zingg, bei ihm ist das Ehepaar, das eine 19 Monate alte Tochter hat, derzeit untergebracht. Wer in einem islamischen Land Christ wird, muss mit dem Tod rechnen, denn «Glaubensabfall» wird gemäss dem islamischen Recht mit dem Tod bestraft.

 

Hinwendung zum christlichen Glauben

In der Schweiz hatte das Ehepaar dann den Mut, zum christlichen Glauben überzutreten. Sie schlossen sich einer christlichen Freikirche in Zürich, die zur «Schweizerischen Evangelischen Allianz» (SEA) gehört.

 

Wenn immer möglich besuchten die beiden ihre freiwillig gewählte Kirche in der Schweiz. Laut Daniel Zingg hat das Ehepaar regelmässig den Gottesdienst besucht und ihre Hinwendung zum christlichen Glauben sei eine freiwillige Entscheidung gewesen. Sie seien nach etwa sechs Monaten in der Schweiz Christen geworden. Inzwischen leben sie seit drei Jahren in der Schweiz. Während rund neun Monaten lebte das Paar in Belgien, in dieser Zeit seien die beiden dort in eine Kirche gegangen.


Familie: «Wir töten euch!»

Über ihren neuen christlichen Glauben sprachen sie auch mit ihrer islamischen Familie.  Dies führte zu massivem Drohungen aus ihrer Heimat: «Ihr könnt ruhig heimkommen, wir werden euch töten, wie man Hunde tötet. Denn ihr seid nichts anderes mehr. Ihr seid eine Schande für den Islam, eine Schande für die Familie, wir können nicht mehr auf die Strasse, alle sagen: ‚eure Kinder haben die Religion der Gotteslästerer angenommen‘», drohte eine islamische Familie in ihrem Heimatland. Zwei der Drohanrufe zeichnete Faruq auf. Einer stammte von seinem Bruder, der andere von seinem Vater.

 

Ahnungslose Schweizer Behörden

Trotz der Todesgefahr in ihrem Heimatland wollen die Behörden dem Ehepaar und ihrem Kind kein Asyl gewähren. Auch das Gericht konnten sie nicht überzeugen. Zudem behauptete das Gericht, dass die Christen in Syrien geschützt würden und die beiden dort nichts zu befürchten haben. Zingg: «Was das Gericht in Bern offenbar nicht weiss, ist, dass die Ausgangslage ganz anders ist, wenn man vom Islam wegkonvertiert ist.»

 

Wenn Kurden in Syrien umgebracht werden, wird das vom Staat nicht registriert, sagt Daniel Zingg. «Sie sind nicht einmal eine Nummer, es gibt keinen Vermerk, das merkt im Ausland niemand. Das ist eine tiefe Tragik.»

 

«Konvertiert doch zurück!»

Auf der zuständigen kantonalen Stelle sagte eine Beamtin in der letzten Not: «Konvertiert doch zurück zum Islam, dann habt ihr in Syrien weniger Probleme.» Da sagten Horiya und Faruq, der Glaube sei nicht wie ein Pullover, den man wechseln könne. «Wir wollen den Glauben, den wir haben, nie mehr wechseln. Nicht einmal dann, wenn wir sterben müssen.»

 

Horiya: «Wir haben gesagt, dass wir nicht zum Islam zurück wollen, da ich vorher gar nicht daran geglaubt hatte. Ich hatte davor immer Angst gehabt. Und ich sagte, dass ich Jesus liebe. Ich kann nicht zurück, ich bleibe bei Jesus, ich bin jetzt Christin.» Sie habe keine Angst um sich. Aber um ihre Tochter. «Ich könnte in Syrien nicht bei meiner Familie leben und sie würden vielleicht nicht wollen, dass sie am Leben bleibt, weil sie von mir ist. Sie sind sehr aggressiv wegen dem, was geschehen ist.»

 

«Erfunden, realitätsfremd!»

In der Schweiz wurden alle Gesuche abgeschmettert. Erfunden, erdichtet, realitätsfremd lautet die Darstellung der Behörden. So habe die Bundesverwaltung gesagt, dass es technisch nicht möglich sei, ein Telefongespräch aufzuzeichnen. 

 

Daniel Zingg: «Wir haben das von einem Gutachter bestätigt, dass es nicht gespielt ist.» Ausserdem konnte Faruq vor der Behörde demonstrieren, wie man einen Anruf aufnehmen kann. 

 

Für eine gewisse Zeit war Horiya wegen dem Druck in einer psychiatrischen Klinik, elf verschiedene Tabletten wurden ihr verschrieben. Immer wenn wieder etwas Hoffnung bestand, folgte das nächste niederschmetternde Urteil. Beispielsweise zwanzig Tage nach der Geburt ihrer Tochter. Die beiden flohen nach Belgien, das EU-Recht verhindert jedoch ein Asylgesuch in einem zweiten Staat und die Schweiz signalisierte den beiden, sie sollten doch zurückkommen.

 

Der letzte Gang

Als letzte Möglichkeit wählt Daniel Zingg und die Familie den Schritt in die Öffentlichkeit, unter anderem mit einem offenen Brief an Bundesrätin Simonetta Sommaruga.

 

Daneben lädt Daniel Zingg zu einem Solidaritätsbesuch nach Bollodingen (BE), an die Dorfstrasse 11. Dies am Mittwoch, 23. Februar 2011, sowie am 24. Februar; jeweils auf 20 Uhr am Abend.

 

 

Datum: 23.02.2011 

Autor: Daniel Gerber

Quelle: Jesus.ch

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