Gegensätzliche Kulturen - Weshalb sich Menschen missverstehen

Gegensätzliche Kulturen

Weshalb sich Menschen missverstehen

Warum verstehen sich Menschen aus unterschiedlichen Kulturen so schlecht? Was ist der Grund von Missverständnissen und Aggressionen? Darauf hat der Kulturforscher Professor Lothar Käser am Agik-Forum plausible Antworten.

 

 Am Agik-Forum zum Thema «Zusammenarbeiten – Null Problemo?!»  nannte der Fachmann für interkulturelle Beziehungen am Samstag, 30. April 2011, in Hägendorf ein Beispiel: Als die Patres bei ihrer Missionsarbeit in Neukaledonien sterbende Menschen noch tauften, damit sie gemäss katholischem Verständnis in den Himmel kommen, stellte sich eine unerwünschte Folge ein. Die Leute wollten ihre Kinder nicht mehr zur Taufe bringen. Sie hatten das Taufritual an den Sterbenden als Todeszauber gedeutet ...

Die Tiefenschicht kennen lernen

Lothar Käsers Erklärung: In diesem Beispiel prallten Kulturen aufeinander, Menschen, die in ihrer «Tiefenschicht» ein anderes Verständnis der Dinge und der Welt haben. Es kommt somit immer wieder zu Missverständnissen und zu Misstrauen, es kann sogar geschehen, dass man sich gegenseitig Bösartigkeit vorwirft, weil man das Handeln und Reden des Andern anders deutet, als er es meint. Beide Seiten brauchen somit einen Erklärungsrahmen, mit dem sie die Tiefenstruktur des Andern deuten können.

Kulturbedingte Wirtschaft

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Lothar Käser
Oft sind es die ganz natürlichen Gegebenheiten, welche die Tiefenstruktur und das entsprechende Handeln bestimmen. Während wir in Zentraleuropa eine «Vorratswirtschaft» kennen, pflegen südliche Kulturen eine «Beziehungswirtschaft». Europäer wissen, dass sie sich über den Winter bringen müssen. Wo die unfruchtbare Jahreszeit fehlt, müssen dagegen keine Vorräte angelegt werden. Wenn Fischer vor der Küste Afrikas mehr Fische fangen, als ihre Familien essen können, werden sie an andere Leute verschenkt. Wer mehr hat als er braucht, gibt dem Andern davon. So haben immer alle zu essen.

Zeit- oder ereignisorientiert

Gerade im Kontakt mit Menschen aus andern Kulturen in der Schweiz können solche Kenntnisse laut Käser entscheidend sein, wenn es darum geht, Beziehungen aufzubauen. Es sei zum Beispiel nützlich zu wissen, dass Europäer «zeitorientiert» sind, wenn sie einen Gottesdienst halten wollen. Afrikaner seien dagegen «ereignisorientiert». Käser hat seine Erkenntnisse im Buch «Fremde Kulturen» publiziert.

Veranstaltet wurde das Agik-Forum von der Arbeitsgemeinschaft für Interkulturelle Kommunikation (Agik), welche christliche Organisationen, Arbeitsgruppen und Einzelpersonen vernetzt, die Kontakte mit Ausländern aus fremden Kulturen unterhalten.

Webseite:
Arbeitsgemeinschaft für Interkulturelle Kommunikation (Agik)

Buchhinweis:
Buch «Fremde Kulturen» bestellen

Datum: 03.05.2011
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet.ch

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