Dialog mit Bundesbehörde - «Muslime als Teil der Schweiz wahrnehmen»

Dialog mit Bundesbehörde

«Muslime als Teil der Schweiz wahrnehmen»

Der Dialog zwischen Muslimen und Bundesbehörden ist abgeschlossen. Das meldet der Bundesrat in einem Communiqué. Der Dialog war nach dem Ja zur Minarett-Verbotsinitiative begonnen worden.

Damit wolle man «Ängsten und Vorurteilen gegenüber dem Islam in der Mehrheitsgesellschaft und der zunehmenden Feindseligkeit und Stigmatisierung aller Menschen, die als Musliminnen und Muslime angesehen werden, entgegen zu treten», so das Communiqué.

Im April fand das vorerst letzte Treffen statt, nun hat der Bundesrat von einem entsprechenden Bericht Kenntnis genommen. Dieser betont, dass die Muslime Leitlinien der Verfassung wie Rechtsgleichheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie anerkennen. Zugleich betonen sie ihr Nein «zu Terrorismus und Radikalismus und jeder Form von Fanatismus», zu «Diskriminierung und Rassismus», «jeder Art von Ghettoisierung und Ausgrenzung» und «zu fehlendem Respekt vor Menschenrechten und der Würde des Menschen».

Anderseits wird aufgezeigt, was der Bund unternimmt, um Integration und Chancengleichheit von Muslimen zu fördern und das friedliche Zusammenleben in der Schweiz zu wahren.

Geprägt von Respekt

Ergänzend zu bestehenden Foren auf kommunaler und kantonaler Ebene sollte der «Muslim-Dialog» Fragen thematisieren, «welche gesamtschweizerisch von Bedeutung sind und gesamtschweizerisch einer Lösung bedürfen», so der Bericht.

«Die muslimischen Teilnehmenden betonen ausdrücklich die Wichtigkeit des Dialogs mit dem Staat», so der Bericht. Der Dialog sei geprägt gewesen durch gegenseitiges Vertrauen und Respekt sowie durch «eine offene und kontroverse Meinungen duldende Diskussionskultur».

Federführend war seitens des Bundes das Bundesamt für Migration, es nahmen Kaderleute verschiedener Bundesstellen teil. Auf muslimischer Seite waren 18 Männer und Frauen aus allen Regionen der Schweiz eingeladen worden, die unterschiedliche Ausrichtungen des Islams repräsentieren, unterschiedliche ethnisch-kulturelle Herkunft haben und teils praktizieren, teils nicht.

Erst ein Anfang

Der Muslim-Dialog sei eigentlich erst ein Anfang, fanden die Teilnehmenden, und soll daher in noch unbestimmter Weise weitergeführt werden. Für nächstes Jahr ist ein Austauschtreffen zwischen Bundes-, Kantons- und Gemeindebehörden sowie Musliminnen und Muslimen geplant. Damit sollen die Anliegen der Musliminnen und Muslimen aufgenommen und aufgezeigt werden, wo sie diese sinnvollerweise einbringen könnten, heisst es im Communiqué. Und der längerfristige Zweck des Dialogs gemäss Bericht: «Ziel ist, dass der Islam und die Personen, welche sich zu ihm bekennen, keinen Sonderfall in der Schweiz darstellen, sondern als Teil der Schweiz wahrgenommen werden.»

Probleme mit Jugendlichen

Was konkret besprochen wurde, kann im Bericht nachgelesen werden. Im Dialogprozess wurden etwa Integrationsprobleme im Bereich Bildung und Arbeit thematisiert. So wurden die Probleme vieler Jugendlicher «aus bildungsfernen Familien, namentlich aus den Staaten des ehemaligen Jugoslawiens und der Türkeiۚ» bei der «bildungsmässigen und beruflichen Integration» thematisiert sowie ihre Übervertretung unter den jugendlichen Straftätern. Sie seien zwar überwiegend muslimisch. Es wird aber betont: «Die ethnisch-kulturelle Herkunft ist nicht der kausale Grund für diese Probleme.»

Die Muslime zeigten sich auch etwa besorgt über eine zunehmende Ablehnung in der Gesellschaft aufgrund ihres Glaubens. «Selbstkritisch gestehen sich moderatere Musliminnen und Muslime ein, dass sie das Feld jenen überlassen haben, die tendenziell orthodoxe Auslegungen des Islam vertreten», heisst es im Bericht. 

Dies zeigte sich auch am 28. November 2011 als der Islamische Zentralrat (IZRS) ankündete, das Rad zurückzudrehen und mit einer erneuten Volksinitiative das Minarettverbot wieder abzuschaffen. Der IZRS hat laut eigenen Angaben 1‘700 Mitglieder in der Schweiz. Mit seinem Plädoyer für einen fundamentalistischen Islam, der das Schlagen von Frauen und die Einführung von Scharia-Gerichten befürwortet, sorgten Vertreter des IZRS in den Schweizer Medien immer wieder für negative Schlagzeilen.

Staatsangehörigkeit

Der Bericht enthält genaue Aufschlüsselungen über die Herkunft der Muslime in der Schweiz. 56,4 Prozent hatten demnach im Jahr 2000 eine südosteuropäische Staatsangehörigkeit, 20,2 Prozent waren Türken, 11,7 Prozent waren Schweizer. Über 80 Prozent der Muslime in der Schweiz haben damit einen europäischen Hintergrund. Aus dem arabischen Raum (Nordafrika, Naher Osten) stammen nur wenig mehr als 5 Prozent. Zudem ist nur ein kleiner Teil der Muslime mit Schweizerpass konvertiert - die Anzahl Konvertiten soll in den letzten Jahren deutlich gestiegen sein in Europa, wie viele es heute sind, weiss man aber nicht.

Webseite:
Medienmitteilung: «Bundesrat nimmt Bedricht ‚Muslim-Dialog 2010‘ zur Kenntnis

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Bücher zum Thema:
Mark A. Gabriel: Swislam: Wie viel erträgt das Land?
Christine Darg: Wunder unter Muslimen
Kurt Beutler: Warum gewisse Dinge schief laufen. Hält der Islam, was er verspricht?

Datum: 20.12.2011 
Quelle: Kipa / Livenet.ch

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