- Aus dem Leben von...Elisabeth Buser - Asylanten begegnen

Aus dem Leben von...Elisabeth Buser - Asylanten begegnen

„Heute hat Gott zu mir gesagt: 'Geh zu Elisabeth zum Nähen', darum bin ich jetzt hier". Das waren die Worte einer Somalierin, welche seit dem Sommer zu uns ins Nähatelier kommt. Seit fünf Jahren ist sie mit ihren vier Kindern in der Schweiz. Sie ist eine gottesfürchtige Muslimin. Ihre Geschichte ist spannend und traurig zugleich, doch ihren Humor hat sie nicht verloren - so lachen wir oft zusammen und sprechen über ihr Leben als Nomadin in der somalischen Wüste. Kürzlich las ich zwei Bücher über eine Somalierin. So vernahm ich vieles über das Land und die Leute. „Kannst Du auch auf einem Kamel reiten?" war meine Frage. Über ihr Gesicht huschte ein Strahlen und sofort machte sie Bewegungen, als würde sie gerade auf einem Kamel sitzen. In kurzer Zeit lernte sie mit viel Interesse Nähen und verschiedene Handarbeiten.

In den letzten Herbsttagen schnitt ich den Schilf in unserem Garten. Just in dem Moment kam sie, nahm mir die Schere aus der Hand und erklärte mir, dass sie das für mich mache werde. „Weißt Du, in Somalia flechten wir Matten aus ähnlichem Material und bauen damit unsere Zelte."

Ich lese immer wieder Bücher, welche aus Ländern erzählen, aus denen „meine" Frauen kommen. So kann ich mir Wissen über ihre Kultur, ihr Denken und ihr Leben aneignen.

Frauenfest

Anfangs Sommerferien veranstalteten wir ein Frauenfest in unserem Garten. Ich wollte den Frauen mal etwas Schweizerisches bieten. Mit Hilfe von Ruth Keller, meiner Freundin, lernten wir den Asylantinnen einen Zopf zu backen. Mit viel Gelächter gab es die herrlichsten Kreationen, doch jeder schmeckte fein. Während wir mit Gitarrenbegleitung ein paar Schweizerlieder sangen, begannen die Frauen sogar hin und her zu schunkeln. Auch meine Mutter war dabei und ihr Zitronenkuchen ist immer ein Renner. Wir assen jedoch auch Spezialitäten aus Afganistan, aus Kosovo, Eritrea, Srilanka usw. Nächsten Sommer werden wir bestimmt ein solches Fest wiederholen.

Kleine Kirche

Zwei Familien, die eine aus Srilanka, die andere aus Iran, bekamen je eine Wohnung in Töss, sogar im selben Haus. Beide Frauen kamen hier zum Glauben an Jesus. Unser Kontakt besteht nach wie vor zu ihnen. Einmal, als ich zu Besuch war, hatte die Iranerin viele Fragen über den Glauben. Ich erklärte ihr einiges aus der Bibel und immer wieder sagte sie: "bitte noch etwas." So entstand ein Hauskreis, den wir nach Wunsch der beiden Frauen „kleine Kirche" nennen. Am letzten Mittwoch kam gar noch eine Albanerin dazu. So treffen wir, 6 Frauen, uns einmal monatlich zur "kleinen Kirche".

Bazar

Auf Wunsch meiner Näherinnen werden wir am 8. Dezember wieder einen Bazar in unserem Haus organisieren. Wir sind alle fleissig an der Arbeit. Den letzten Bazar erlebten die Frauen und Teenager ganz wunderbar. So viele liebe Leute, die da kamen und kauften, und ab und zu sogar noch mehr Geld gaben als verlangt wurde, hatten sie noch nie getroffen. So wurde unseren Frauen viel Gutes getan, indem ihnen Respekt und Freundlichkeit entgegengebracht wurde.

Auch jetzt laden wir Euch alle ganz herzlich an unseren Anlass ein. Den Erlös werden wir Frontiers überreichen, welche in Äthiopien unter somalischen Flüchtlingen arbeiten. Es ist mir wichtig, dass wir einem Land helfen, wo die Frauen her kommen, damit sie erleben, dass sie von der Schweiz aus etwas Gutes an ihren Landsleuten tun können.

Neu zu unserer Frauenrunde kommt eine Frau aus Angola. Sie ist mit zwei ihrer Töchter hier, im Ganzen aber hat sie fünf Töchter. Ihr Mann lebt im Untergrund, da er politisch verfolgt ist. Ebenfalls neu ist eine Kenianerin, sie hat bereits die Aufenthaltsbewilligung gekriegt. Samuel und Ebube sind ihre kleinen Kinder. Mit ihrer lustigen, kecken Art bringt sie viel Frische in unser Atelier. Sie ist kaum zu bremsen, sie werkelt fürs Leben gerne.

Die Frau aus Angola und die Kenianerin sind gläubige Christen und gehen in eine Gemeinde.

Kinderstunde

Im Moment kommen nur wenige Kinder in die Kinderstunde. Ein Junge aus Kongo, einer aus Kosovo, ein Mädchen aus Russland und eines aus Angola. Diese vier sind treu. Ab und zu kommt ein anderes Kind dazu. Viele jedoch wohnen nicht mehr in Hegi, andere sind noch zu klein und andere wurden zu gross. Auch in Hegi spüren wir den Einwanderungsrückgang. Etliche Zimmer sind leer im Wohnheim.

Die Aufgabenhilfe für Teenagermädchen stellten wir auch ein. Es waren noch zwei Mädchen da, welche gut in der Schule zurecht kommen. Ab und zu besuchen sie mich und ich werde sie wieder um Mithilfe in der Cafeteria bitten an unserem Bazar.

Sehnsucht

Viele Menschen tragen eine tiefe Sehnsucht in sich, eine Sehnsucht nach Frieden, Ruhe, Angenommensein, nach Vergebung, nach Liebe. Egal wer wir sind und woher wir kommen. Wir alle kennen dieses ungestillte Verlangen nach mehr. Der Psalmist drückt es so aus:

„Wie ein Hirsch nach frischem Wasser lechzt, so sehne ich mich nach dir, oh Gott! Ja, ich dürste nach Gott, nach dem lebendigen Gott!" Psalm 42.1

Und Jesus gibt seine Antwort:

„Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich will euch Frieden und Ruhe geben." Matt. 11.28

Dieses Angebot von Jesus wollen wir niemandem vorenthalten.

Wir würden uns freuen, wenn wir auch Sie am 8. Dezember, ab 13 Uhr bei uns am Reismühleweg 63 begrüssen dürften.

siehe: Events, Bazar und Cafeteria

 

Elisabeth Buser

Sprachen