- Ein Ort für Mütter und Migrantinnen

Ein Ort für Mütter und Migrantinnen

Erlen ist eine ländliche Gemeinde im Thurgau und liegt zehn Kilometer vom Bodensee entfernt zwischen Weinfelden und Amriswil. Die Evangelische Täufergemeinde (ETG) Buchwiesen gehört seit über hundert Jahren zum Dorf. Liebe untereinander und die aufrichtige Verbundenheit zeichnen die bibeltreue Gemeinde aus. So zählt das gemeinsame Mittagessen an jedem zweiten Sonntag zur langjährigen Tradition.

Wachstum durch Kurse

«Die Gemeinde wuchs in den letzten zehn Jahren von 150 auf 200 Gottesdienstbesucher», erzählt Thomas Schnyder, Pastor für Gemeindeentwicklung und Studienleiter beim IGW. «Durch den Alphalive-Kurs waren viele zum Glauben gekommen.» Auch neues Liedgut sei integriert worden. Im Jahr 2010 begann die Buchwiesengemeinde, sich bewusst nach aussen zu orientieren. Ein wichtiger Meilenstein war der Diakonietag, an dem die Gemeinde prüfte, wie sie den Menschen in ihrem Umfeld praktisch dienen könnte. Schnyder: «Wir fragten uns: Was braucht unser Dorf?»

Zu den Menschen hingehen

Der 34-jährige Familienvater aus Hefenhofen TG schrieb im Rahmen seines Theologiestudiums beim IGW eine Masterarbeit über Muslime im Dorf. Das Resultat: Frauen sind schlecht integriert, sprechen kaum Deutsch und wünschen sich Kontakt. Darauf reagierte die Erler Freikirche.

«Wir wollen Brücken bauen zu den Menschen im Dorf und in Kontakt mit ihnen treten», sagt Schnyder. «Unser Ziel ist es, den Menschen zu dienen.» So liess man Einladungsflyer drucken, verteilte sie in alle Haushalte und hängte sie im Dorf auf. Im April 2012 startete der neu gegründete Verein Mosaik mit drei Angeboten: einem wöchentlichen Deutschkurs für Migrantinnen, einem Eltern-Kind-Treff und dem «Singsalabim», einem Singen für Kleinkinder mit anschliessender Gesprächsrunde.

Die meisten Besucher kommen heute aus dem Dorf und die Angebote stossen immer mehr auf Interesse. Besonders Frauen und alleinerziehende Mütter seien sehr froh über die neuen Kontakte, weiss Schnyder. Manche würden gar von allen drei Angeboten profitieren.

Prozess mit der Gemeinde

Im letzten November führte die ETG Buchwiesen zwei Visionstage durch. Schnyder erklärt: «Wir wollen die Gemeinde in den Prozess der Öffnung nach aussen hineinnehmen. Es ist wichtig, dass die ganze Gemeinde daran beteiligt ist und nicht nur die Gemeindeleitung.» Am Visionstag entstand auch die Idee, am 24. Dezember einen Weihnachtsabend für die Bevölkerung von Erlen durchzuführen; für Menschen, die den Heiligen Abend sonst alleine zuhause verbringen.

Wohlwollen im Dorf

Die Buchwiesengemeinde erlebt viel Wohlwollen im Dorf Erlen und auch mit der Landeskirche besteht eine gute Zusammenarbeit. Schnyder ist überzeugt: «Jede Gemeinde kann sich für Aussenstehende öffnen. Nur wer sich auf den Weg macht, sammelt Erfahrungen und lernt, was sich bewährt und was weniger gut funktioniert.»

Author: Christian Bachmann
Quelle: Idea Magazin

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