- Interkulturelle Begegnungen

Interkulturelle Begegnungen

„Muttertag, das ist sehr gut“, sagte eine Tschetschenin zu mir, die Somalierin die dabei stand nickte und fügte hinzu: „oh ja, in der Schweiz sind Männer und Frauen gleich, in Somalia sind Männer eine Katastrophe, die Frauen sind immer unten“, und sie stampfte mit dem Fuss auf den Boden und unterstrich mit dieser Geste, wie unterdrückt die Frauen in Somalia sind. Die Tschetschenin erlebte es ähnlich, sie meinte: „Mütter sind doch für die Männer und die Kinder wichtig, ohne uns könnten sie gar nicht leben."
 
In solchen Momenten wird mir bewusst, welches Privileg ich habe, in der Schweiz geboren worden zu sein. Verpflichtet diese Tatsache nicht gerade zu von dieser Gnade und Fülle, die mir geschenkt wurden, etwas weiterzugeben an andere, welche dieses Vorrecht nicht bekamen?

Muttertags-Basar

Die Frauen selbst, welche vom Asylwohnheim Hegi zu mir ins Handarbeitsatelier kommen, wünschten, dass wir zum Muttertag einen Basar veranstalteten.
So also stellte ich zusammen mit den Frauen viele schöne Dinge her. Taschen, Schmuck, Herzen in allen Formen usw. - eben alles um Mütter zu beschenken und zu erfreuen. Am 10. Mai luden wir zum Basar ein. Rund 130 Personen besuchten uns und kauften was wir feil hielten. Die Cafeteria im Garten lud zum Verweilen ein. Eine bunte Menschenschar traf sich und es entstanden Gespräche und Bekanntschaften zwischen Kulturen. Ehemalige Asylantinnen besuchten uns von Bern und Basel. Viele Frauen vom Wohnheim, welche noch nie ins Handarbeitsatelier kamen, schauten ebenfalls herein. So wurden einige Frauen motiviert, sich auf zu machen und neu mitzuarbeiten. Die Kinder genossen unser Fest besonders. Wie waren sie glücklich, dass einige Gäste sich speziell mit ihnen beschäftigten. Herumtollen und Fussball spielen sind ihre liebsten Tätigkeiten.
Der Muttertagsbasar war für die Asylantinnen ein wunderbares Erlebnis. Sie wurden geachtet und geehrt. Diese Ehre ist für sie Balsam auf die verletzten Herzen.

Gegenseitige Annahme

Paulus fordert uns auf in Römer 15.7: "Nehmt euch gegenseitig an, so wie ihr seid, denn auch Christus hat euch ohne Vorbehalte angenommen. Auf diese Weise wird Gott geehrt."
Dieser Vers beinhaltet für mich eine ganz neue Erkenntnis: Wenn wir also den Nächsten annehmen und ehren, so ehren wir gleichzeitig auch Gott.
In Winterthur leben 25% Menschen aus anderen Ländern. Wenn wir auch sie annehmen und ehren, so tun wir gemeinsam etwas Gutes für Gott!

Elisabeth Buser

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