- Euro08: Schriften für die Fans vom Bosporus

Euro08: Schriften für die Fans vom Bosporus


An der Euro08 trumpfte die Türkei mit einer hohen Moral auf: Sämtliche Siege gelangen der Mannschaft aus dem Rückstand; so auch am 11. Juni beim Spiel in Basel gegen die Schweiz. Zu diesem Ereignis waren weitere rund 50 Personen angereist. Die wollten aber nicht zuschauen oder in den Fanzonen mitfeiern, sondern sie hatten sich vorgenommen, den türkischen Fans etwas zu schenken.

Beat Forster, Mitarbeiter bei den christlichen Werken «Frontiers» und «Christen begegnen Muslimen»: «Nach der Lektüre des Buches „Ich will keine Rache" musste ich weinen; es stammt von der Witwe eines der drei Christen, die in der Türkei ermordet wurden. Da wusste ich, dass wir etwas für die Türken tun müssen. Der Tod dieser Männer darf nicht umsonst gewesen sein.»

Türkische Literatur

Forster besprach sich mit einigen Freunden, und schliesslich entschieden sich rund 50 Personen, vor dem Länderspiel der Schweiz gegen die Türkei christliche Literatur auf türkisch zu verteilen. So kamen die Fans zum Beispiel in den Genuss der Schrift «Das Tor zum Himmel». Sie enthält das Lukas-Evangelium und Lebensberichte von Fussballern - auf türkisch. Forster: «In kleinen Teams sind wir durch die Fanmeile und durch das Türkenquartier in Kleinbasel gezogen.»

«Warum macht ihr das?»

Man habe so viele Exemplare wie möglich verteilen wollen. «Eine Gruppe aus Istanbul wusste nicht, wie sie zum Stadion kommen sollten. Wir begleiteten sie einen Kilometer weit zum Tram.» Verdutzt hätten die Besucher gefragt, warum Forster und seine Leute das tun.

«Wir sagten, dass wir die Türken lieben und als Gastgeber wollen, dass sie sich hier wohlfühlen. Sie fragten noch mal. Da sagte ich, dass man mit jemand, der einen ein kleines Stück Weg bittet mitzugehen, die doppelte Strecke gehen solle. So wolle das Gott. Sie freuten sich darüber, wir machten Fotos, und sie nahmen die Schrift an.»

Nur zwei Prozent der abgegebenen 3500 Bücher seien nachher am Boden gelegen. «Das Gebet bleibt, dass sie es lesen.» Die meisten hätten gestaunt, dass man ihnen etwas schenken wollte. «Manche, die die Verteilaktion bemerkten, verlangten auch gleich eines.» Ein Kebab- wie auch ein Schuhverkäufer hätten um mehrere Bücher gebeten. Sie wollten sie auflegen.

Nachspielzeit

In der Freikirche Vineyard Basel hatten die Verteiler ihre Taschen deponiert. Nach dem Einsatz war wegen einer Panne kein Schlüssel vorhanden. «Niemand meckerte. Womöglich wäre dadurch der Segen von der Aktion weggenommen worden. Mitten im Regen hielten wir vor der Türe eine Gebetszeit. Um zehn Uhr abends erhielten wir dann den Schlüssel.»

Am Ende des Abends habe er nicht gewusst, wer das Spiel denn nun gewonnen habe, schildert Forster. «Ich war so kaputt, ich wollte nicht mehr Fernseh schauen.»

Hinter dem Einsatz standen die Organisation «Christen begegnen Muslimen», das «Netzwerk Basel» sowie das «Türken-Netzwerk», eine junge Vereinigung von türkischen Christen in der Schweiz.

Webseiten:
www.netzwerkbasel.ch
www.cmnet.org (Christen begegnen Muslimen)

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