- Im Spannungsfeld der Kulturen

Im Spannungsfeld der Kulturen

Wohnungssuche
Zuletzt erlebt habe ich die Problematik im Umgang mit verschiedenen Kulturen bei der Wohnungssuche. Als Schweizer Familie wurden wir klar bevorzugt. Schliesslich konnten wir zwischen vier Wohnungen auswählen. Später, als wir einen Nachmieter für unsere bisherige Wohnung suchten, sahen wir das gleiche Phänomen von einer anderen Seite her. Viele «-i» und «-ac» kamen, um die Wohnung anzuschauen, doch alle erhielten von der Verwaltung eine Absage.

Schwierige Ausgangslage
Leute aus dem Balkan (sprich: aus Ex-Jugoslawien) haben es tatsächlich schwer, in unserer Gegend eine Wohnung zu finden. Die zumeist von Schweizern geführten Büros haben Angst vor der Andersartigkeit der Anderen. So erteilen sie Absagen. Diese Tendenz erlebe ich oftmals in meiner Arbeit unter Ex-Jugoslawen (Kroaten, Serben und Bosnier).

Verständnis und Liebe gefragt
Uns allen würde etwas mehr Liebe und Verständnis gegenüber diesen Leuten aus dem Balkan gut anstehen. Sie gehören zu unserem Alltag. Wir brauchen sie für unsere Wirtschaft. Sie tragen zum Bruttosozialprodukt bei. Sie pflegen uns, wenn wir alt sind. Schon allein deshalb sollten wir nett zu ihnen sein!

Aufgeschlossen und spontan
Ich selber erlebe Ausländer als sehr offen und gastfreundlich. Bei «von Haus zu Haus»-Einsätzen lassen sie an der Tür noch mit sich reden. Man kann auch spontan einen Besuch machen. Die Türen öffnen sich. Ich werde sogar zum Kaffee hereingebeten.

Schattenseiten
In meiner Arbeit komme ich auch mit vielen Problemen in Berührung. Ich begegne Alkoholsüchtigen, ehemaligen Strafgefangenen und auch Leuten mit Schulden. In unserer Gesellschaft kommt man viel zu leicht zu Krediten und rutscht so, ohne es zu wollen, in die Schuldenfalle. Viele Eingewanderte und auch Schweizer können mit den Angeboten von «günstigen Darlehen» nicht umgehen und wollen den schnellen Luxus. Dies ist Profit auf Kosten der Armen. So gibt es immer mehr verbitterte Ausländer. Einmal stiess jemand harte Drohungen aus gegen die «sturen» Verantwortlichen, die ihm den Fahrausweis fürs Auto nicht geben wollten. Ich konnte ihn beruhigen und mit ihm beten.

Tagesablauf
Einen typischen Alltag von mir als Ausländerevangelist gibt es in dem Sinn nicht. Morgens ist eher Büroarbeit angesagt, wie zum Beispiel Telefonanrufe erledigen, E-Mails schreiben und beantworten oder Einladungen für Anlässe versenden. Nachmittags und abends mache ich meist Besuche und gehe selber zu Veranstaltungen (Bibelstunden, evangelistische Treffen, Gemeindeveranstaltungen, Gottesdienste).

Dienst- und Segenslinien
Es hilft, immer wieder einmal grössere Aktionen zu planen, zum Beispiel eine Kalenderverteilaktion im Herbst. Auf diese Weise kommt man grossflächig an viele Leute heran (Fischen mit Netzen). Dann geht es darum, denen nachzugehen, die ein Interesse am Evangelium und einem weiteren Kontakt gezeigt haben. Andere Personen lerne ich einzeln bei Besuchen kennen oder treffe sie mehr zufällig (Fischen mit der Angel). Das alles braucht viel Zeit und Geduld. Ich nenne das gerne Freundschafts-Evangelisation.

Auf Jesus Christus hinweisen
Dabei rede ich den Menschen auch ins Gewissen und mache sie auf Jesus Christus, den helfenden Gottessohn aufmerksam. Ja, ich möchte ein Zeigefinger sein, der auf Jesus hinweist. Vorbild ist mir das Gemälde auf dem Isenheimer Altar (heute in Colmar), welches Matthias Grünewald geschaffen hat. Ich darf erleben, wie es bei den verschiedenen Menschen schrittweise vorwärts geht. Leider manchmal auch wieder rückwärts. Nach einem guten Anfang mit Christus ziehen sie sich zurück. Das Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld gibt guten Anschauungs-unterricht (Matthäus 13, 3 - 8).

Zusammenarbeit mit Gemeinde
Wenn möglich, arbeite ich eng mit meiner Gemeinde (Freikirche ETG) zusammen, so beim Glaubensgrundkurs. Beim letztjährigen Kurs nahmen zwei Personen teil, die aus meinem missionarischen Umfeld stammten. Dieses Jahr waren es am Anfang acht solcher Teilnehmer. Inzwischen hat sich die Zahl auf fünf eingependelt.

Teamarbeit und Unterstützung
Von der Gemeinde her waren wir ein gutes Team. Einige kochten, andere leiteten den Abend und andere beteten. Die Gemeinde betet auch allgemein für MEOS Svizzera und ermöglicht mit ihren Gaben, dass ich diesen Dienst vollamtlich tun kann. Ich empfinde dieses eingebe(t)tet sein in eine Gemeinde (beide Bedeutungen) als sehr wohltuend und Segen bringend. Diese Menschen haben mich und meine Frau zum Dienst ausgesandt. Nun tragen sie auch Verantwortung mit. Dafür sind wir sehr dankbar.

Unser Ziel - erlöste Menschen
Es gibt wahrlich viele Probleme in der Gesellschaft, auch im Zusammenhang mit Ausländern in der Schweiz. Ich habe in der missionarischen Arbeit nicht für alles eine Lösung. Aber wir haben die Er-Lösung, und die predigen wir. Jesus Christus ist es, der diese Erlösung anbietet. Auf IHN weisen wir hin. Unser Ziel sind von Schuld befreite Menschen, die zusammen den Herrn anbeten und ihm dienen.
Von Gott haben wir den Auftrag, die Ausländer in der Schweiz zu erreichen. Sie sollen nicht verloren gehen, weder in den Versuchungen dieser Welt, noch in der Ewigkeit. Daraus folgt zugleich ein besseres Miteinander - auch beim Zusammenleben der Kulturen!

Jeder einzelne von uns ist gefragt.

Hansjörg Schärer

hischaerer@gmx.net

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