Afrikanische Diasporagemeinden in der Schweiz - Den Eritreern auf der Spur

Afrikanische Diasporagemeinden in der Schweiz

Den Eritreern auf der Spur

Wem sind sie nicht schon aufgefallen die schwatzende Mädchenclique, die weiss gekleidete Gruppe am Sonntag oder die Mutter mit Kinderwagen im Bus: Menschen aus dem kleinen Land Eritrea. Wegen Unterdrückung und militarisierter Präsidialdiktatur verlassen viele ihre Heimat. Kaum bekannt ist das Nationalgericht Injera und dass offiziell vier Religionen in Eritrea zugelassen sind. Gerade christliche Schweizer Gemeinden könnten einen Beitrag für eine gute Integration leisten.

Zu Besuch bei eritreischen Gemeinden
Bei Besuchen von eritreischen Gemeinden in Winterthur und Aarau fällt auf, mit welcher Ernsthaftigkeit GOTTES Wort gepredigt und um Verständnis gerungen wird: In der Bibelgruppe Winterthur wird von allen Teilnehmern rege diskutiert. Einige haben sich auf eine Textstelle der Bibellesung intensiv vorbereitet. Es ist hör- und spürbar, dass GOTTES Wort viel Freiheit schenkt - ausgerechnet einem von Unterdrückung und Angst geprägtem und autoritätsgläubigen Volk. Der Prediger in Aarau hat einen klaren, strukturierten Aufbau seiner Predigt. Er betont die individualistische Auslegung stark. Wie als Zeichen des frei Seins tanzen einige Eritreer und Eritreerinnen zur Lobpreismusik auf der Bühne herum. Ermutigung und Hoffnung geben im Alltagsleben hier in der Fremde ist offenbar das Ziel der Predigt. Die Atmosphäre des aufgehoben Seins in GOTTES Gegenwart, die alles leicht und möglich macht, hilft tatsächlich zum Auftanken und glücklich sein.

Eritreische Gemeinden wachsen
Seit einiger Zeit fällt auf, wie stark die eritreische Volksgruppe in der Schweiz zunimmt und somit auch die Kirche unter ihnen wächst. Für African Link ist es ein Ziel, Diaspora-Gemeinden aus Afrika zu unterstützen in den Bereichen Integration, Vernetzung und in der Bildung.

Kirchgemeinde als Stück Heimat und als Brücke zur Gastkultur
Das Bundesamt für Migration schreibt in einem Artikel über die somalische und eritreische Diaspora in der Schweiz:  „Kirchen und Moscheen sind nicht nur religiöse Andachtsstätten, in denen ein Stück Heimat in der Fremde konstruiert wird, sondern auch soziale Treffpunkte, wo Informationen ausgetauscht und Kontakte geknüpft werden. Zudem bieten religiöse Vereine ihren Mitgliedern oftmals auch materielle Hilfe an.“ (1)
Das „Gefäss“ Kirchgemeinde ist gut fass- und ansprechbar. Die Notwendigkeit einen Raum für den Gottesdienst zu haben, sind oft Türöffner zu einem Erstkontakt. Es gibt einige CH-Gemeinden, die nebst der Raumvermietung auch für gemeinsame Anlässe bereit sind. Solche Beziehungen sensibilisieren gegenseitig für die Bedürfnisse der anderen, was die Basis für eine gute Integration ist.

Religiöse Vielfalt innerhalb der eritreischen Gemeinden
Die Mehrheit der Eritreer in der Schweiz sind Christen und gehören der eritreisch-orthodoxen Kirche an. Daneben sind Katholiken und Protestanten sowie Anhänger von Pfingstgemeinden vertreten. Rund 10% sind Muslime. In Eritrea sind die christlich-orthodoxe, die katholische, die protestantische und muslimische die vier offiziell akzeptierten Konfessionen. Dort ist die Lage besonders für Jesus-Gläubige schwierig. Sie müssen sich im Geheimen treffen und leben ständig in der Angst entdeckt und verhaftet zu werden. Es lässt sich vermuten, dass es auch Spannungen zwischen den religiösen Gruppen hier in der Schweiz gibt. Die pfingstlerischen Gruppierungen («Pente») werden häufig von der orthodoxen Gemeinde als Konkurrenz betrachtet und als häretisch bezeichnet. Es bestehen nur wenig Kontakte zwischen den beiden Gruppen.

Hintergrundinformation: Eritreische Diaspora
Die ethnisch-kulturell vielfältige Bevölkerung Eritreas ist nach einem langjährigen Unabhängigkeitskrieg gegen Äthiopien seit 1991/1993 ein eigener Staat. Die Hoffnungen der Eritreer auf ein demokratisches Staatsgebilde wurden jedoch enttäuscht. Einer der wichtigsten Faktoren für die seit einigen Jahren anhaltende stetige Abwanderung aus Eritrea ist die seit Mai 1998 zeitlich unbegrenzte aktive Militärpflicht. Laut Schätzungen von Experten kann davon ausgegangen werden, dass rund ein Drittel aller Eritreer im Exil leben. Die eritreische Diaspora zählt also bei einer geschätzten Residenzbevölkerung von 3,6 Millionen gut 1 Million Menschen. Zu den Hauptaufnahmestaaten von eritreischen Flüchtlingen gehören an erster Stelle die Nachbarländer Sudan und Äthiopien. In der Schweiz haben im Jahre 2014 rund 7000 Eritreer um Asyl gesucht. (2) 85% davon erhielten Asyl oder eine vorläufige Aufnahme.

Patricia Egli

Quellenangaben:
1. „Die Somalische und Eritreische Diaspora in der Schweiz, Bundesamt für Migration (BFM), CH-3003 Bern-Wabern, 2010.
2. Internet am 1. Feb. 2016: https://www.sem.admin.ch/sem/de/home/asyl/eritrea.html

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