Gemeinsam Gottes Wort entdecken - Interkulturelles Bibellesen

Gemeinsam Gottes Wort entdecken

Interkulturelles Bibellesen

Ich blicke in die Runde am Esszimmertisch und muss staunen. Unterschiedlicher könnten wir Teilnehmer am interkulturellen Bibellesen wohl nicht sein. Mit Alter, Herkunft, Hautfarbe oder Lebensgeschichte sind wir nicht auf einen Nenner zu bringen. Was uns zusammenbringt, liegt, selbst noch in verschiedenen Sprachen wie Portugiesisch, Französisch, Englisch, Deutsch, vor uns – das Wort Gottes.

Schon beim aufwärmenden Small-talk merke ich zweierlei: Ich fühle mich mit diesen Menschen verbunden, obwohl die meisten für mich Fremde sind. Und: Hier kann ich, muss ich meine Schweizer-Glaubensbrille abnehmen. Andere Kulturen denken anders und darauf will ich mich einlassen.

Die Anekdoten, die wir zu Beginn in der gemütlichen und fröhlichen Runde austauschen, bereiten mich vor – auf den Reichtum der Andersartigkeit.

Gottes Wort und die anderen Teilnehmer entdecken

Als wir uns dann in den Bibeltext über die rechte Jesus-Nachfolge vertiefen (Lukas 9,57-62), werde ich überrascht. Obwohl die meisten von uns sich erst gerade heute Abend kennengelernt haben, sprechen wir miteinander über den Glauben und unser Leben als… als wären wir Geschwister. Und das sind wir ja auch! Was für ein Beweis der Kraft des Heiligen Geistes, der uns zu so einer Gemeinschaft zusammenbringt.

Ich werde auch herausgefordert. Von einem Nigerianer lerne ich z.B., dass die Besorgnis über das, was andere über mich denken wegen meines Glaubens, wohl ein allgemein west-europäisches Problem ist. Früher in Nigeria hätten ihn die Gedanken anderer über ihn kaum gekümmert. Je länger er aber in der Schweiz ist, desto mehr färbe leider auch die ‚menschenfürchtlerische‘ Denkweise auf ihn ab. Was kann ich da noch alles lernen von den Menschen, die aus ihren anderen Herkunftsländern so andere Haltungen und Verständnisse mitbringen.

Der Bibeltext, den ich doch so oft schon gelesen habe, eröffnet durch diese multikulturelle Begegnung plötzlich tiefere Dimensionen. 

Wie geht's praktisch?


Bei unserer Runde in Winterthur hat sich eine Bibellese-Methode bewährt, die vor einiger Zeit in Südafrikagestartet wurde, die "Sieben Schritte". Im ganzen ersten Teil wird nicht diskutiert, sondern man liest den Bibelabschnitt verschiedene Male und nähert sich ihm von verschiedenen Seiten. Alle Teilnehmer können sich unbelastet beteiligen. Erst dann beginnt mit ein paar einfachen Fragen die Diskussion.

Unten können Sie eine adaptierte Version der "Sieben Schritte" (auch mit Tipps für Gruppenleiter) herunterladen.

Eine Bibelübersetzung, die sich aufgrund ihrer Einfachheit und übersichtlichen Darstellung sehr bewährt, ist die Basis-Bibel: www.basisbibel.de. Am besten schaut man auch, dass anderssprachige TeilnehmerInnen zusätzlich eine Bibel in ihrer Sprache zur Verfügung haben.

Viel Freude beim Ausprobieren!

 

Jessica Meier und Johannes Müller

 

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