- «Keine Deutsch» gibts nicht mehr

«Keine Deutsch» gibts nicht mehr

Unweigerlich tauchen Erinnerungen an meine ersten Schuljahre auf: Als ich das Zimmer betrete und vorgestellt werde, erheben sich die anwesenden sechs Schüler. Ich nicke ihnen freundlich zu und setze mich. Der Unterricht kann beginnen.

Hilfe zur Integration
Seit bald vier Jahren finden im Gemeindezentrum der GfC Bern (Gemeinde für Christus) Deutschkurse für fremdsprachige Menschen statt. In fünf Klassen lernen 90 Menschen aus unterschiedlichen Nationalitäten fürs Leben – konzentriert und friedlich. «Was hier gemacht wird, ist eigentlich das Natürlichste in der Welt», begrüsst mich Markus Frauchiger. Der zweifache Familienvater ist als interkultureller Mitarbeiter bei der MEOS tätig. Er hat ein weites Herz für Menschen. 15 Mitarbeitende engagieren sich jeden Donnerstagmorgen im Gemeindezentrum der GfC. In «meiner» Klasse gibt es Menschen aus Afghanistan, Brasilien, Eritrea, Irak, Kirgistan, Syrien und Tibet. Der stämmige Kirgise Max war früher Matrose. Dank dem Sprachkurs möchte er sich im Binnenland Schweiz eine neue Existenz aufbauen. «Es gibt zwei Möglichkeiten, eine Sprache zu lernen», erklärt Beat Moser. «Entweder, man nimmt einen Sprachkurs – oder man erteilt Unterricht.» Der frühere Rektor eines Lehrerseminars in Papua Neuguinea wirkt auch als Übersetzer vor Gericht. Seine Klasse kommuniziert auf hohem Niveau.

Niederschwelliges Angebot
An den Sprachkursen wirken Christen aus verschiedenen Gemeinden mit. An jedem Quartalsende und vor christlichen Feiertagen findet nach dem Unterricht eine Veranstaltung mit Musik und einem biblischen Input statt. «Menschen aus anderen Ländern haben eine grosse Sehnsucht, Gott kennenzulernen», stellt Beat Moser fest. «Obwohl wir in den Kursen keine Glaubensinhalte vermitteln, sprechen uns einzelne Teilnehmende auf den Glauben an.» Markus Frauchiger fragt seine inzwischen auf neun
Personen angewachsene Klasse: «Sprechen Sie Deutsch?» «Ein wenig», antwortet die zierliche Brasilianerin. «Super!», ruft ein Tibeter spontan. «Ja, ja», meint der Ex-Matrose zum Abschied. «Pünktlichkeit ist in der Schweiz sehr wichtig.» Er betont das «sehr» und hat schon viel gelernt. Die Sprachkenntnisse werden ihm bestimmt helfen, schon bald Kurs auf eine neue Heimat zu nehmen.

Quelle: Idea Magazin, Thomas Feuz

Author: Thomas Feuz
Quelle: Idea Magazin

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