Historische Migrationskirchen - Waldenser, die ersten Reformierten

Historische Migrationskirchen

Waldenser, die ersten Reformierten

Migration von Christen hat nicht erst in den letzten Jahren begonnen, ein paar der protestantischen Migrationskirchen sind schon älter als die Reformation in der Schweiz. Werner Stutz stellt uns die Waldensergemeinde in Winterthur vor.

Eine lange Geschichte
Um das Jahre 1170 sagte der begüterte Kaufmann Petrus Valdes allem Reichtum ab und verkündete in Armut als Laienprediger den Armen von Lyon das Evangelium. Bald wurden er und seine Nachfolger zu Ketzern erklärt, nicht wegen einer Irrlehre, sondern weil sie ohne Erlaubnis predigten. In diesem Konflikt wollten sie sich der Kirche nicht unterordnen. Sie mussten fliehen und verbreiteten sich in Südfrankreich und Norditalien aber auch in Mitteleuropa. Nur in den unwegsamen Tälern im heutigen Piemont fanden sie lange Zeit Ruhe vor Verfolgung. Sie lebten als von Rom unabhängige, freie Christen mit eigener, auf der Bibel beruhenden, Überzeugung. Deshalb gelten die Waldenser als die ersten evangelisch-reformierten Christen in Europa. 1532 schloss sich die Waldenserbewegung der Schweizer Reformation an.

Migrantenkirche
Nach der Aufhebung des Toleranzedikts von Nantes 1685 wurden viele Glaubensflüchtlinge, Waldenser und Hugenotten, aus ihrer französischen Heimat vertrieben. Ein kleiner Teil liess sich in  der Schweiz nieder, die meisten zogen weiter nach Norden, eine Gruppe übersiedelte nach Uruguay. Die Mutterkirche der Waldenser ist heute in Italien beheimatet. In der Schweiz treffen sich die Gläubigen in sieben Gemeinden. Gottesdienste und Bibelstunden finden in italienischer Sprache statt. Die Besonderheit besteht in der Verbindung der italienischen Kultur und der reformierten Tradition.

Gemeinde in Winterthur

Lorenzo Scornaienchi ist ordinierter Pfarrer der Waldenserkirche. Er leitet seit bald drei Jahren die Gemeinden in Winterthur, Zürich, Schaffhausen und Frauenfeld. Die Kirche nennt sich heute Chiesa evangelica di lingua italiana, sie ist Teil der Waldenserkirche Italiens und eine Kirchgemeinschaft der reformierten Kirche des Kantons Zürich. In Winterthur treffen sich in den Räumen der Stadtmission an der Technikumstrasse bis zu 15 Gläubige alle zwei Wochen am späten Sonntagnachmittag. Der Pfarrer und einige Mitglieder stammen aus der Waldenserkirche, andere sind durch Heirat oder aus anderen Traditionen zur Gemeinde gestossen. Meist sind es Migranten der ersten Generation, die hier ihre geistliche Heimat gefunden haben. Die Gemeinde leidet daran, dass der jugendliche Nachwuchs, die sogenannten Secondos, sich nur schwer gewinnen lässt. Besucher und neue Leute sind in der Gemeinde herzlich willkommen, Italienischkenntnisse sind Voraussetzung. Das Motto der Kirche ist das Motto der Waldenser: "lux lucet in tenebris", "das Licht leuchtet in der Finsternis", damit will man sagen, dass die Gnade Gottes die Abgründe dieser Welt beseitigt.

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